Bestenliste "Weltempfänger"

Ana Paula Maia, Krieg der Bastarde
Ana Paula Maia, Krieg der Bastarde

Nun, da wir schon ein paar Wochen lang Herbst haben, ist es angebracht, auf die Herbstausgabe (#20) der Weltempfänger-Bestenliste der litprom, Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e. V., hinzuweisen.

Neben Titeln aus dem Fischer Taschenbuch Verlag und dem Rowohlt Verlag, sind Bücher von A1, Schöffling, Assoziation A, Transit und C. H. Beck nominiert; dieser letztere fällt ob seiner Größe und seiner jahrhundertealten Tradition zwar aus der Reihe der unabhängigen Verlage heraus, soll in diesem Eintrag aber trotzdem berücksichtigt werden.

Wegen des gekürten Titels des Transit Verlags weise ich auf einen früheren Eintrag des Hotlist-Blogs hin, hier.

 

In unserem stark auf den angelsächsischen Raum ausgerichteten Buchmarkt (viel Einstampfbares, das übersetzt wird), ist die Initiative "Weltempfänger" unbedingt zu begrüßen, da sie sich gegen eine monokulturelle Bewirtschaftung der Buchhandelstische und -regale wendet und zugunsten einer Vielfalt des Buchangebots arbeitet, wie sie faktisch ja besteht, nur sich viel zu wenig in den Auslagen abbildet. Diese Vielfalt gilt es zu erhalten und zu stärken. Wenn in jeder 300. Buchhandlung im deutschsprachigen Raum der Dan Brown-Stapel durch einen Luiz Ruffato-Stapel ersetzt wird, sind wir schon einen Schritt weiter in Richtung Demokratisierung der Literatur.

 

Ana Paula Maia, Krieg der Bastarde

 

"Amadeu wittert seine große Chance, als er eine Tasche voll Kokain aus dem Chefbüro der Pornoproduktionsfirma entwendet, für die er arbeitet. Er macht es zu Bargeld, um seine Geliebte Gina Trevisan, eine illegale Preisboxerin, von ihren Schulden zu befreien und mit ihr ein neues Leben zu beginnen. Den Erlös und einen Rest des Kokains versteckt er unter den Dielen eines Dachbodens. Doch dann kommt alles anders, Amadeu wird überfahren.

 

Kaum einer weiß, dass Amadeu nicht mehr lebt, und die Suche nach ihm, nach dem Stoff und dem Geld bringt immer groteskere Situationen hervor. Auftragskiller jagen den Toten, der Chef der Produktionsfirma braucht einen neuen Kühlschrank und mehr Geld, Amadeus ehemaliger Vermieter quartiert nach einem brutalen Boxkampf dessen Geliebte Gina bei sich ein, und der Erzähler zieht auf den Dachboden, ohne zu ahnen, dass unter seinen Füßen Tausende Real verborgen liegen.

 

Ana Paula Maia bedient sich in ihrem unterhaltsamen und packenden Roman eines schwindelerregenden Reservoirs an Situationskomik mit absurden Zufällen, Toten und zwielichtigen Gestalten, die sich ihren Lebensunterhalt mit Raub, Mord, Organhandel, kultigen Pornofilmen und Drogengeschäften verdienen, mit einstürzenden Fußböden und einem Schmuck schluckenden, koksenden Chihuahua.

 

Krieg der Bastarde widmet sich mit Witz, Härte und Melancholie den Verkommenen, Maßlosen und Abtrünnigen und führt den Leser in cineastischer Manier in die Halbwelt einer modernen brasilianischen Großstadt."

(Text: A1 Verlag)

 

  • Ana Paula Maia, Krieg der Bastarde. Roman. Aus dem Portugiesischen (Brasilien) von Wanda Jakob. 224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. A1 Verlag, München 2013. 18,80 Euro
Luiz Ruffato, Mama, es geht mir gut
Luiz Ruffato, Mama, es geht mir gut

Luiz Ruffato, Mama, es geht mir gut

 

"Ein brutaler Familienpatriarch, der mit Axthieben und Brandrodung das Land urbar macht und seine junge Frau "an die Nabelschnur endloser Schwangerschaft" fesselt. Eine unter Schmerzen sterbende Frau. Ein Sohn, der in einem Dialog mit seiner Mutter die Vergangenheit Revue passieren lässt. Ein Mann, der sich eines Verbrechens schuldig fühlt, das er vielleicht gar nicht begangen hat. Ein verschwundener Ehemann. Ein Lehrer, der ein schreckliches Geheimnis hütet. Schonungslos beschreibt Luiz Ruffato die Härte, die Entbehrungen und die Grausamkeit des Landlebens, das die Welt italienischer Einwandererfamilien im Hinterland der Berge von Minas Gerais in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts prägt.

Es ist diese Enge und Bedrängtheit des Lebens, der die heranwachsenden Jugendlichen zu entfliehen suchen. Sie machen sich auf in ein vermeintlich besseres Leben, in die nächste Kleinstadt, dann nach Rio oder São Paulo. Den erdverbundenen Werten der Alten, die in einem Tal hinter der Staubstraße eine Heimat gefunden haben, steht die Faszination der Jungen für die Lichter des Fortschritts gegenüber. Die Träume sind bescheiden, Worte werden nur wenige gewechselt, die weite Welt reicht zunächst nur bis zur nächstgrößeren Ansiedlung.

Das Buch bildet den Auftakt des Romanzyklus "Vorläufige Hölle", mit dem Ruffato den Armen, den einfachen Leuten, den Migranten eine Stimme verleiht. Er hebt sie aus ihrer literarischen Vergessenheit und lässt so die Geschichte des brasilianischen Proletariats wiederauferstehen. Innere Monologe wechseln mit poetischen Passagen, mit Szenen von dramatischer Intensität. Unprätentiös, frei von Sozialromantik und auf höchstem literarischen Niveau. Ruffatos Saga des proletarischen Brasilien ist nüchtern, schmerzhaft und kompromisslos."

(Text: Assoziation A)

 

  • Luiz Ruffato, Mama, es geht mir gut. Roman. Aus dem Portugiesischen (Brasilien) von Michael Kegler. 160 Seiten, gebunden. Assoziation A, Hamburg 2013. 18,00 Euro

 

Clarice Lispector, Nahe dem wilden Herzen
Clarice Lispector, Nahe dem wilden Herzen

Clarice Lispector, Nahe dem wilden Herzen

 

Jury-Mitglied Claudia Kramatschek schreibt zu diesem Buch:

 

"Clarice Lispector (1920-1977) war die Grande Dame der brasilianischen Literatur – und ist noch immer eine große Unbekannte. Grund genug, sie wiederzuentdecken mit ihrem so poetischen wie eigenwilligen Debütroman – die autobiografisch gefärbte Vermessung einer weiblichen Gefühlslandschaft zwischen Kindheit und erwachsener Frau, hier in einer nachbearbeiteten Übersetzung."

 

(Diese und weitere Kurzempfehlungen der "Weltempfänger"-Jury können Sie hier nachlesen.)

 

"1943: Das Romandebüt einer Dreiundzwanzigjährigen ist die literarische Sensation – zum ersten Mal wagt es eine brasilianische Schriftstellerin, das komplexe Innenleben ihrer Heldin offenzulegen und konventionelle Gesellschaftsmuster in Frage zu stellen. Selbstbewusst bezieht sie sich auf Joyce und fügt der Moderne ihre ganz eigene weibliche Stimme hinzu.

 

In Nahe dem wilden Herzen konzentriert sich Clarice Lispector auf die Reflexionen ihrer Heldin Joana und dringt in die Tiefen ihrer Gefühlswelt vor. Das Lebensumfeld der jungen Frau blitzt darin nur gelegentlich auf: Da ist der frühe Tod des Vaters, die unglückliche Kindheit bei der Tante, die Einsamkeit im Internat, die am gegenseitigen Betrug scheiternde Ehe mit dem Rechtsanwalt Otávio. Auch wenn sie Isolation dafür in Kauf nehmen muss, beschreitet Joana gegen innere und äußere Widerstände unbeirrbar ihren Weg zu eigenem inneren Reichtum, ihrem "wilden Herzen"."

(Text: Schöffling Verlag)

 

Hier eine Leseprobe.

 

Und für Berliner ein Lesungstermin am morgigen Donnerstag im Literaturhaus Lettrétage.

 

  • Clarice Lispecor, Nahe dem wilden Herzen. Roman. Aus dem Portugiesischen (Brasilien) von Ray-Güde Mertin und Corinna Santa Cruz. 272 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Schöffling Verlag, Frankfurt am Main 2013. 19,95 Euro
Manu Joseph, Das verbotene Glück der anderen
Manu Joseph, Das verbotene Glück der anderen

Manu Joseph, Das verbotene Glück der anderen

 

"Der siebzehnjährige Unni Chacko hat etwas Schreckliches getan. Drei Jahre nach seinem Selbstmord erhält sein Vater, der Journalist Ousep Chacko, mit der Post ein Päckchen mit einem Comic seines künstlerisch hochbegabten Sohnes Unni – ein Irrläufer, der Ousep erneut auf die Suche nach den Gründen für den Tod seines Sohnes schickt. Er befragt seine ehemaligen Freunde, besucht Treffen der Comic-Zeichner, belästigt einen berühmten Neuropsychiater, entdeckt das ungewöhnliche Leben seines Sohnes und dringt zugleich immer tiefer in die Geheimnisse der eigenen Familie ein. Der Roman, der in den 1990er Jahren in Madras spielt, klug, scharfsinnig, komisch und sehr anrührend, erzählt vom Leben einer schwer gebeutelten Familie, von Wahrheitssuche und Liebe, spannend und herzzerreißend."

(Text: C. H. Beck Verlag)

 

  • Manu Joseph, Das verbotene Glück der anderen. Roman. Aus dem Englischen (Indien) von Claudia Wenner. 376 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. C. H. Beck Verlag, München 2013. 19,95 Euro

 

mr

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Kommentare: 5
  • #1

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