Der Verlag Die Waage, Zürich

 

Im Zusammenhang mit Ralph Dutlis Buch Das Lied vom Honig, das hier neulich vorgestellt wurde, war von der Verbindung zwischen den Bienen und dem Küssen die Rede. Da habe ich mich an Johannes Secundus' Küsse-Gedichte erinnert (19 sind's), die in einer schönen Ausgabe beim Züricher Verlag Die Waage vorliegen (den ich bei dieser Gelegenheit überhaupt erst entdeckt habe).

Es gibt Verbindungen zum und Gemeinsamkeiten mit dem, ebenfalls in Zürich ansässigen, Manesse Verlag - mit dem entscheidenden Unterschied, dass sich Die Waage ihre Unabhängigkeit bewahrt hat.

 

  • Johannes Secundus [d. i. Jan Nicolai Everaerts, 1511-1536], Küsse. Lateinisch und Deutsch. Herausgegeben von Felix M. Wiesner. Mit 35 Illustrationen von Gerhard Gollwitzer. 110 Seiten, Leinen. Verlag Die Waage, Zürich. 14,00 Euro

 

Geschichte des Verlags Die Waage, Zürich

 

"Der Verlag Die Waage wurde 1951 von Felix M. Wiesner gegründet. Der Verlagsgründer, 1920 in Wien geboren, studierte in Zürich Germanistik sowie vergleichende Literaturwissenschaft, russische Sprache, indische Philosophie und Religionsgeschichte. Zuerst Lektor beim Manesse Verlag, bereiste er ab 1950 für die Verlage Arche, Diogenes, Walter, Bucher, Scherz, Ringier u. a. sowie für seinen eigenen Verlag den Schweizer Buchhandel als Vertreter.

 

Felix M. Wiesner

 

Foto: Verlag

 

Mit der Waage wünschte er sich einen Verlag, welcher von hohem Anspruch literarischer und weltanschaulicher Art sowie vom redaktionellen und bibliophilen Perfektionismus geprägt sein sollte. Der Name des Verlags war Programm: im Sinne der chinesischen Yin-Yang-Polarität sollten sich Werke des Westens und Ostens, der intellektuell-rationalen und der spirituell-frommen Weltdeutung ergänzen. Neben der Lesefreude wurden auch Emanzipation von Frau und Mann, Befreiung und Kreativität angestrebt.

 

Bei den ersten Titeln des Verlags Die Waage von 1952 waren mit Goethes genialisch-frechem Reineke Fuchs sowie Voltaires begeisterndem Roman Die Prinzessin von Babylon zwei intellektuell-rationale Titel, mit Ernst Benz’ Russische Heiligenlegenden und der taoistischen Legende Blumenzauber aber auch zwei spirituell-fromme Titel vertreten. Es folgten 23 weitere Bände in der Buchreihe "Bücher der Waage" mit vielen Luxusausgaben von privater Hand. Ende der Fünfzigerjahre begann die zweite Buchreihe des Verlags Die Waage, die "Bibliothek chinesischer Romane". Gleich 1959 mit dem zweiten Titel Jou Pu Tuan kam es in der damals noch eher prüden Schweiz zum spektakulären Prozess und 1961 zur Verbrennung der ganzen Auflage. Ein zweiter Prozess 1971-1974 um den Roman Dschu-lin Yä-schi wurde gegen die Sittenwächter vor Bundesgericht gewonnen und schrieb so Rechtsgeschichte in der Schweiz.

 

Die Pionierleistungen der Waage liegen vor allem in der Publikation der 5 Bände des chinesischen Sittenromans Djin Ping Meh (Schlehenblüten in goldener Vase), einer beeindruckenden Familiengeschichte aus der Ming-Zeit, sowie der 500 Geister- und Liebesgeschichten von Pu Sung-ling, einer einzigartigen Sammlung von chinesischen Volkserzählungen, deren Popularität auch heute noch in allen Schichten des chinesischen Volkes unvergleichlich bleibt. Die weltliterarischen Glanzstücke der Bibliothek chinesischer Romane fanden jedoch wegen ihrer volkssprachlichen und meist anonymen Herkunft bei den Orientalisten kaum Beachtung. Die gepflegten Erstausgaben des Verlags Die Waage blieben so jahrelang schwer verkäuflich und kamen erst als billige Lizenz- und Taschenbuchausgaben zu hohen Auflagen und weiter Verbreitung.

 

Nach dem Tod des Verlaggründers im Mai 2005 entschloss sich seine Tochter Claudia Wiesner Eymard, den Verlag vor der Liquidation zu retten und weiterzuführen. Während sie sich zur Aufgabe machte, den Geist des Verlags Die Waage anhand von Literatur aus der ganzen Welt fortbestehen zu lassen, liegt der in Frankreich lebenden diplomierten Sinologin die chinesische Literatur besonders am Herzen.

 

Mit der im Herbst 2009 erschienen Novelle Der rote Spatz. Eine Fabel aus dem modernen China über die verhängnisvollen Konsequenzen der Macht vom zeitgenössischen chinesischen Autor Bai Hua kam eine erste Neuerscheinung auf den Markt, ein weiterer Titel ist in Bearbeitung." (Text: Verlag Die Waage)

 

Anm. d. Red. Die genannten Bücher sind nicht eigens mit den jeweiligen Seiten der Verlags-Website verlinkt (wie sonst im Hotlist-Blog üblich), da es sich entweder um tote Links handelt, oder weil es Schwierigkeiten mit der Server-Verbindung gab.

 

Das Verzeichnis Lieferbarer Bücher weist 42 lieferbare Bücher aus dem Verlag Die Waage auf, zeigt aber nicht die Cover (s. hierzu den lesenswerten Beitrag von Dieter Dausien, "Gefährliche Treue", im Börsenblatt. Wochenmagazin für den Deutschen Buchhandel, plus Kommentare).

 

Die Cover können alle hier betrachtet werden:

 

Bibliothek chinesischer Romane

 

Bücher der Waage

 

Kunst- und Kulturgeschichte

 

 

 

(mr)

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