Victor Zaslavsky, Der Sprengprofessor

 

Als ich von der Leipziger Buchmesse zurück nach Hause fuhr, wählte ich langsame Verbindungen. In Berlin startend, hatte ich Umsteige in Magdeburg, Halberstadt, Hannover, Minden, Dortmund und Krefeld. Verlagsprospekte, der abermals wunderbare, anregende Katalog der Kurt Wolff Stiftung "Es geht um das Buch" (pdf), Zeitungen und Literaturbeilagen boten mir auf der zehnstündigen Reise, neben Dutzenden von Ortsnamen auf den Bahnhöfen, an denen die Regionalexpresszüge, S-Bahnen, der HarzElbeExpress (HEX), die NordWestBahn Halt machten, reichlich Material zum Lesen.

 

Ich hatte mir auch ein paar Leseproben eingesteckt, so lernte ich Der Sprengprofessor, "Lebensgeschichten" von Victor Zaslavsky kennen, von dem ich schon eine Todesgeschichte hier stehen habe, Klassensäuberung, eine Studie über das Massaker von Katyn, die mit den bedenkenswerten Worten schließt:

"Die Erinnerung an Katyn hilft uns, eine bedeutende Lehre aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu ziehen, kann sie doch dazu beitragen, die Maßstäbe für eine neue Kultur des politischen Miteinanders und für eine Außenpolitik herauszubilden, die die Verteidigung der Menschenrechte nicht länger als innenpolitisches Problem definiert und der Verantwortung einzelnder Regierungen überlässt."

 

Nun also eine Autobiographie in Geschichten.

 

"Diese Geschichten aus der Zeit des Totalitarismus sind leise und
gehen doch unter die Haut." - Corriere della Sera

 

"Kein politisches Sachbuch, keine Reportage könnte das Leben in Russland zur Zeit des Stalinismus und danach intensiver und plastischer darstellen als diese oft sehr persönlichen Lebensgeschichten.

Kann jemand, der aus einer jüdischen Familie kommt, ein guter Sowjetbürger sein? Und was tun, wenn die Vorfahren aus der Bourgeoisie stammen? Was passiert, wenn man eine alte Lehrerin so lange ärgert, bis sie sich zu einem konterrevolutionären "barmherziger Gott" hinreißen lässt? Was, wenn der Trotzkimörder Bibliotheksnachbar ist? Ist es opportun, den Kontakt zu seinem in Ungnade gefallenen Professor, dem man so viel zu verdanken hat, aufrechtzuerhalten?

 

Victor Zaslavsky erzählt wunderbar einfach, fast beiläufig und dabei nicht selten komisch von den Menschen, die bei scheinbar alltäglichen Entscheidungen und Begegnungen an einen Wendepunkt ihres Schicksals geraten. Sollen sie ihrem Gewissen oder den undurchschaubaren Dogmen der Partei folgen?

 

Es sind Erinnerungen an seine Kinder- , Jugend- und Studentenzeit, eine Serie von Anekdoten, in denen unversehens große Lebensgeschichten abgebildet werden. So entsteht das Portrait eines Russlands, das nach dem richtigen kommunistischen Weg sucht und dabei absurden Windungen folgt, ohne Rücksicht auf den Einzelnen.

Ein Russland, an das Putin heute gerne wieder anknüpfen möchte."

(Text: Verlag Klaus Wagenbach)

  • Victor Zaslavsky, Der Sprengprofessor. Lebensgeschichten. Aus dem Italienischen und Russischen von Rita Seuß und anderen. 144 Seiten, Leinen, Fadenheftung. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2013. 15,90 Euro

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Kommentare: 3
  • #1

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