Julien Gracq, Aufzeichnungen aus dem Krieg

 

"Als 2011 die Manuscrits de Guerre aus Julien Gracqs Nachlass erschienen, wurden sie in Frankreich sofort zu einem literarischen Ereignis – die Neugier, von diesem eigensinnigen und unbeirrbaren Meisterstilistiker endlich auch ein authentisches "privates" Zeugnis lesen zu können, machte diese Aufzeichnungen zu einem der meistgelesenen Bücher des Jahres.

Julien Gracq beschreibt in diesem Journal seine Zeit als Leutnant vom 10. Mai bis zum 2. Juni 1940 in Flandern, wenige Kilometer entfernt von Dünkirchen. Und er beschreibt sie gewissermaßen in zwei Genres, einmal als unmittelbare Tagebuch-Aufzeichnungen – und, in einem zweiten Heft, verwandelt in eine klassische Erzählung. Seine Sätze sind, schon am Beginn seiner literarischen Laufbahn (erschienen war bis dahin erst der kleine Roman Auf Schloß Argol, 1938), von bemerkenswerter Präzision und einer sinnlichen Schärfe, die sogar die tristen Ereignisse des Soldatenalltags magisch zu verwandeln imstande ist. Gracqs Schilderung vermittelt sowohl die ungeheuer spannende Situation vor Ort, als auch das lächerliche und nervenbelastende Warten in diesem "Kriegsspiel", das ja die zentrale Erfahrung in den großen Romanen Gracqs (Das Ufer der Syrten, Der Balkon im Walde) darstellt."

(Text: Literaturverlag Droschl)

 

  • Julien Gracq, Aufzeichnungen aus dem Krieg. Aus dem Französischen von Dieter Hornig. 192 Seiten, gebunden mit Lesebändchen. Literaturverlag Droschl, Graz 2013. 22,00 Euro

Wer mag, kann sich Sartres Tagebücher aus derselben Zeit daneben legen.

 

Julien Gracq war ein strenger Vertreter seiner Zunft, wie in dem Band Gespräche, der ebenfalls bei Droschl erschienen ist, nachzulesen ist:

 

"Ich habe die Haltung des Schriftstellers bewahrt, die dieser vor einem Jahrhundert oder selbst vor fünfzig Jahren einnahm. Für mich ist der Schriftsteller jemand, der schreibt, der Lust zu schreiben hat, der Bücher schreibt, dann überläßt er den Text dem Verleger, der sich darum kümmert, ihn zu drucken, ihn zu vertreiben und ihn bekannt zu machen, Werbung zu machen usw. Jedem seinen Beruf. Ich bin der Ansicht, daß man so weiter machen soll [...]"

 

Im selben Gespräch aus dem Jahr 2000, in derselben Passage, äußert sich Gracq zu den "automatischen Signierstunden":

 

"Ich denke, daß die Widmung ein Zeichen der Freundschaft für jemanden ist, den man kennt, und für einen Unbekannten sinnlos ist. Es ist einfach ein kommerzielles Kundendienstverfahren, das sich eingebürgert hat und dem ich mich so wenig wie möglich füge. Ich habe keine Lust, mich vor meine Bücher ins Schaufenster zu stellen. Wenn das Arroganz ist, dann kann man da nichts machen."

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