Deborah Levy, Heim schwimmen

 

"Es ist heiß. Sehr heiß. Sie sind aus London gekommen, um in einem Haus bei Nizza Ferien zu machen: Das Ehepaar Jozef und Isabel Jacobs, er Schriftsteller, sie Kriegsberichterstatterin; die beiden teilen schon lange nichts mehr, außer der Zeit, die sie miteinander verbracht haben -; ihre vierzehnjährige Tochter Nina, die wenig von ihren Eltern hält, aber umso mehr in pubertäre Gefühlsschwankungen verstrickt ist; schließlich ein befreundetes Ehepaar, dessen Laden gerade pleitegeht.

Beste Voraussetzungen für geruhsame Ferien. Tatsächlich bricht schon bald das Unheil herein. Ein nackter Frauenkörper treibt im Schwimmbad. Aber diese junge Frau namens Kitty Finch ist nicht tot. Schwankend zwischen verletzlich und exaltiert, nistet sich die selbsternannte Botanikerin mit den grüngelackten Nägeln in der Villa ein und mischt die ohnehin komplizierte Lage auf. Und sie wünscht sich nichts mehr, als dass der
Dichter sich mit ihr und ihrem Gedicht "Heim schwimmen" beschäftigt.

 

Deborah Levy gelingt es, in 160 Seiten und sieben erzählten Tagen ein beunruhigendes und doch vertrautes Familienpanorama zu zeichnen – unbehauste Personen, unfähig zu einem gemeinsamen Zuhause. Ein wahrer Albtraum, wäre das Buch nicht voller witziger Episoden und komischer Figuren."

(Text: Verlag Klaus Wagenbach)

 

Eine Probe aus Heim schwimmen können Sie hier nehmen.

 

Wer im Rheinland lebt, kann Deborah Levy am 19. März 2013 bei einer Lesung im Literaturhaus Köln erleben.

  • Deborah Levy, Heim schwimmen. Roman. Aus dem Englischen von Richard Barth. 168 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2013. 17,90 Euro (zum Preis von 12,99 Euro auch als eBook erhältlich)

Dieweil er mir so gut gefallen hat und die (Wirtschafts-)Welt immer noch verrückt ist und krank macht, weise ich auch noch einmal auf Wagenbachs letztjährigen belletristischen Frühjahrs(haupt)titel hin: Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar - und zitiere kurz aus meiner Kritik:

 

"In 114 kurzen Kapiteln erzählt Milena Michiko Flašar die Geschichte zweier Außenseiter. Der eine ist erschöpft, der andere verweigert sich. Beide haben sie "endlich versagt", wie sie erleichtert feststellen. "Man muss keinen Beitrag mehr leisten. Endlich gesteht man sich ein, dass einem die Welt vollkommen gleichgültig ist." [...] Ich nannte ihn Krawatte kann gelesen werden als ein Buch über Menschen, die der Erwerbswelt, der Welt der Tüchtigen, den Rücken gekehrt haben, weil sie, wie im Märchen, deren Blöße erkannten. Die rastlose Aktivität der Arbeitenden, ihr ewiges Unterwegssein zwischen Firma und Sofa: eine große Vergeblichkeit, ein fliehender Stillstand, ein Untergehen. [...] Milena Michiko Flašar hat sich schwerer, drängender Themen angenommen und sie in ein literarisches, sprachlich fein gearbeitetes Werk übersetzt, in dem selbst noch ein beschreibender, verhalten poetischer Satz wie: "Der Schlüssel griff mürbe ins Schloss" die bis ins Mark gehende Müdigkeit und Melancholie seiner Helden widerspiegelt."

 

  • Milena Michiko Flašar, Ich nannte ihn Krawatte. Roman. 144 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2012. 16,90 Euro

 

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