Der Schweizer Buchpreis

Die Nominierungen für den Schweizer Buchpreis, der seit 2008 vom Verein Literaturfestival Basel (LiteraturBasel) in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband vergeben wird, sind in der vergangenen Woche bekanntgegeben worden.

 

„Die Jury hat nach intensiver Diskussion mit grosser Überzeugung fünf Titel ausgewählt, welche alle des Preises würdig wären und welche insgesamt die grosse Spannweite des literarischen Schaffens in der deutschen Schweiz widerspiegeln", zitiert die Website des Schweizer Buchpreises Jury-Sprecher Hans Ulrich Probst, Literaturredakteur beim Schweizer Radio DRS 2.

Er und seine Co-Juroren Andreas Isenschmidt (NZZ am Sonntag), Alexandra Kedves (Tages-Anzeiger), Christine Lötscher (freie Kritikerin) und Thomas Strässle (Privatdozent an der Universität Zürich) einigten sich auf folgende fünf Titel:

 

Sibylle Berg, Vielen Dank für das Leben (Hanser Verlag, München)

Ursula Fricker, Außer sich (Rotpunktverlag, Zürich)

Peter von Matt, Das Kalb vor der Gotthardpost (Hanser Verlag, München)

Thomas Meyer, Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse (Salis Verlag, Zürich)

Alain Claude Sulzer, Aus den Fugen (Verlag Galiani Berlin)

 

Ohne jemandem die Freude nehmen zu wollen - Hajo Steinert, Literaturredakteur des Deutschlandfunks, hat im Interview mit Christoph Schmitz (Kultur heute), bezogen auf den Deutschen Buchpreis, folgendes gesagt, das mir grundsätzlich bedenkenswert erscheint:

 

"Der ganze sportliche Charakter, der Einzug gehalten hat in die Verleihung des Preises, den sehe ich auch einigermaßen kritisch, denn dieses Getue mit Longlist und Shortlist, das ist doch eine Anlehnung an die Unterhaltungsindustrie. Es hat etwas damit zu tun, "Deutschland sucht den Superstar", sucht das Supermodel. Da gibt es auch so Ausscheidungsverfahren, bis dann ein Finale übrig bleibt. Das ist eigentlich einem so sensiblen Betrieb wie der Literatur nicht unbedingt angemessen. Und diese Listen, die sind ja jetzt auch Vorbild für viele andere Jurys, die auch angefangen haben, Longlists und Shortlists zu kreieren. Das führt natürlich dazu, dass individuelle Recherchen, persönliche Vorlieben, das Suchen in Ecken, dass das jetzt nachlässt, dass man jetzt mit diesen Listen sozusagen einen Kanon hat, der verhindert, dass man auch noch Entdeckungen macht, und das sehe ich mit der Zeit immer kritischer."

 

Ich übersetze: Meine Wegzeichen sind auch meine Scheuklappen.

Die Frage ist, wie sich ein Literaturpreis sinnvoll anders organisieren ließe. Man müsste Ideen sammeln...

Es bleibt ein Dilemma.

 

Der Schweizer Buchpreis wiederholt immerhin nicht den Fehler seines deutschen Gegenstücks, überhaupt nur Romane zu berücksichtigen. Mit Peter von Matts Buch ist auch ein essayistischer Titel vertreten, bravo. Lyrik aber scheint es in der Schweiz so wenig wie in Deutschland zu geben. Meiner Ansicht nach würde es jedem Preis gut zu Gesicht stehen, hier auch eine erzieherische und initiatorische Aufgabe wahrzunehmen und die Lyrik (auch Kurzprosa und schwer zu kategorisierende Zwischenformen) mit Bestimmtheit ins Blickfeld des literarisch interessierten Publikums zu rücken. Am besten scheint das noch bei Veranstaltungen wie dem Open Mike zu funktionieren.

 

Abschließend, um wieder von Literatur zu reden, möchte ich auf eines von unendlich vielen Büchern aus den wunderbaren unterbelichteten Ecken hinweisen, die für den stöbernden Leser immer Entdeckungen bereithalten: Amabilia - das vergiftete Erbe von Fabia Morger, ein Science Fiction-Roman (im Salis Verlag).

 

"Das Universum im 28. Jahrhundert. Die siebzehnjährige Somylea, in einem Waisenhaus aufgewachsen, führt ein ereignisloses Dasein als Bankangestellte in einem fernen Sonnensystem. Doch ihr beschauliches Leben gerät kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag schlagartig aus den Fugen. In allerletzter Sekunde wird sie von einem Unbekannten gerettet, bevor ihre Wohnung von bewaffneten Männern gestürmt wird. Nach und nach erfährt sie, wer es auf sie abgesehen hat und weshalb.

 

Somylea erbt von ihren toten Eltern die Macht über den Planeten Amabilia. Das bringt sie in die Schusslinie einer mächtigen kriminellen Organisation, die nach den Rohstoffen auf dem Planeten giert. Plötzlich muss sie Entscheidungen treffen, deren Konsequenzen nicht absehbar sind, ohne zu wissen, wer Freund und wer Feind ist.

 

So gerät Somylea in ein mörderisches Spiel, das ihr zeigt, wie schmal der Grat ist, der Gut von Böse und Liebe von Hass trennt.

 

Amabilia ist das Debüt der zwanzigjährigen Fabia Morger. Spannend, emotional, mit einprägsamen Charakteren und aufblitzendem Dialogwitz schafft es die junge Autorin, die Geschichte von Liebe und Verrat, Macht und Moral auf den Punkt zu bringen. Amabilia ist ein bemerkenswertes Buch in einem männerbeherrschten Genre." (Verlagstext)

 

Viel Spaß beim Lesen!

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Kommentare: 1
  • #1

    Margarete Haimberger (Samstag, 06 Oktober 2012 12:33)

    Einspruch, was den Wettbewerb betrifft!
    Also kommen Sie, die Auszeichnung des Besten Dichters ist doch nun schon wirklich so alt wie die ollen Griechen. Mindestens. Ich verfolge solche Preisungen mit Spannung, Deutsche Buchpreis, Booker Prize, Literatur Nobel Preis.... Das Büchlein zum Deutschen Buchpreis mit den Kapitelauszügen der "Zwanzig Besten" ist doch eine prima Sache, dem Zeitgeist auf der Spur zu bleiben, Entdeckungen zu machen und erste Überraschgungen zu erleben. Ich seh den ganzen Zirkus als Bereicherung, ähnlich wie Literaturverfilmungen. Sie treffen nicht unbedingt den Reichtum der Romane, aber sie verlocken uns dahin. Egal, was auf der Weltenbühne abläuft, es gilt doch, das Buch in die Hand zu nehmen, es aufzuschlagen und zu lesen. Ein Wettbewerb verhindert das nicht.

    Ich stimme zu: Das Gedicht verdient Unterstützung!

 

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