Judith Schalansky und Anne Lepper

 

"Man sieht es - und muss es haben", befand Friedrich Forssman, der als Gestalter der Bücher ich meiner mir mich und punkt punkt komma strich von Pétur Gunnarsson (beide Weidle Verlag, Bonn) selber am Wettbewerb der Stiftung Buchkunst um das schönste deutsche Buch teilnahm, über Judith Schalanskys Der Hals der Giraffe.

Am 5. September 2012 wurde Schalansky als Siegerin benannt. Herzlichen Glückwunsch!

 

Übrigens ist es heute auf den Tag ein Jahr her, dass ihr "Bildungsroman" erschien.

 

Die Begründung der Jury:

 

"Oft nimmt es kein gutes Ende, wenn Autor oder Autorin für die sichtbare Gestaltung ihres Werks mitreden wollen. In diesem Fall überzeugt das Ergebnis aber in jeder Hinsicht – wohl, weil die Autorin Judith Schalansky auch gleichzeitig als Grafikdesignerin arbeitet. Bei diesem Buch passt einfach alles zusammen: das mutig ausgewählte, sehr rauhe "Bibliotheksleinen", die grobe, fast ruppig wirkende Schrift für die Deckenprägung und der historisch wirkende Druck der Illustrationen.

Das Buch hat keinen Schutzumschlag (Marketingabteilung aufgepasst: Es verkauft sich trotzdem gut!) und erinnert in Material und Gestaltung an die enzyklopädischen Obsessionen des 19. Jahrhunderts – ein "Bildungsroman" eben, den man sofort in die Hand nehmen und aufschlagen möchte – und eine Komposition aus elegantem Format, stimmigem Farbkonzept, klassischer Buchtypografie und vereinzelten Illustrationen.

Gute Buchgestaltung braucht weder große Budgets, noch ausgefallene Schriften oder Gimmicks aus der Zauberkiste der Buchveredelung, sondern vor allem eine zum Inhalt passende Formidee."

 

Ebenso wie vierundzwanzig weitere ausgezeichnete Bücher darf Der Hals der Giraffe nun mit dem Sigel "Die schönsten deutschen Bücher" - in diesem Fall: "Das schönste deutsche Buch" - beworben werden.

 

Hier die prämierten Titel aus der Kategorie "Allgemeine Literatur".

 

Gratulation auch an Anne Lepper, die für ihre Stücke Seymour und Käthe Hermann soeben zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres gekürt wurde (Umfrage von Theater heute unter 42 Theaterkritikern).

 

Anne Lepper, Jahrgang 1978, studierte Philosophie, Literatur und Geschichte in Wuppertal, Köln und Bonn. Es folgten Promotionsstudien in Bamberg und Essen sowie das Studium des literarischen Schreibens an der Hochschule der Künste Bern.

 

Seymour

 

"Fünf dicke Kinder in einem Heim in den Bergen. Der abwesende Dr. Bärfuss hat akribische Regeln aufgestellt für die "Kur", mit deren Hilfe die Kleinen abspecken und vielleicht wieder zu richtigen Menschen werden sollen. Alle Hoffnungen richten sich auf die Ankunft des Doktors, der den erzielten Kurerfolg bescheinigen wird und so endlich die Heimkehr ermöglichen soll. Anne Lepper hat mit Seymour eine schräge Parabel geschrieben. Diese fetten Kinder, mit denen wir vordergründig nichts gemein haben, wachsen sich aus zu prototypischen Leidensgestalten modernen Seins." (Verlagstext)

 

Käthe Hermann

 

"Käthe hat auf vieles verzichten müssen. Als die Kinder kamen war's vorbei mit der großen Karriere als Tänzerin. Nun, da die Brut bereits ergraut, ist sie an der Reihe. Überhaupt: der Käthe stellt sich niemand in den Weg. Weder die widerborstige Tochter, noch der verkrüppelte Sohn. Und erst recht nicht die Bagger, die das Haus abreißen sollen. Zwangsumsiedlung kommt nicht in Frage. Im Gegenteil, jetzt wird renoviert. Anne Leppers Bühnenfiguren sind sensationell widerborstig, verstörend störrisch, spröde und weltfremd." (Verlagstext)

 

Die Stücke von Anne Lepper sind (noch) nicht in Buchform erschienen.

 

 

Die schönsten deutschen Bücher 2012 - Allgemeine Literatur

 

Die jeweilige Begründung der Jury können Sie hier nachlesen.

 

Judith Schalansky, Der Hals der Giraffe. Bildungsroman. 224 Seiten, mit 22 Zeichnungen aus naturwissenschaftlichen Werken des 19./20. Jahrhunderts, gebunden. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011. 21,90 Euro

 

Friedrich Achleitner, iwahaubbd. Dialektgedichte. 208 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Zsolnay Verlag, Wien 2012. 17,90 Euro

 

Gottfried Benn, Morgue und andere Gedichte. 32 Seiten, mit 12 Zeichnungen von Georg Baselitz, Klappenbroschur. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2012. 10,00 Euro

 

Pétur Gunnarsson, ich meiner mir mich. Aus dem Isländischen übersetzt von Benedikt Grabinski. 120 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Weidle Verlag, Bonn 2012. 16,90 Euro

 

Pétur Gunnarsson, punkt punkt komma strich. Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. 132 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Weidle Verlag, Bonn 2011. 16,90 Euro

 

Jewgenij Samjatin, WIR. Aus dem Russischen übersetzt von Gisela Drohla. 216 Seiten und 20 Seiten Kommentar von Richard Saage: "Die konstruktive Kraft des Nullpunkts. Samjatins WIR und die Zukunft der politischen Utopie". Steifbroschur mit aufgesetzten Deckeln, Buchschuh und Lesezeichen. disadorno edition, Berlin 2012. 24,00 Euro

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