Reinecke & Voß

Sibylla Schwarz: Werke Briefe Dokumente

Kritische Ausgabe, Band 1

 

Das Werk der frühreifen Dichterin (1621–1638) bietet eine wirklichkeitswache Auseinandersetzung mit Tod, Religion, Krieg und Flucht. Sie stellte Adelsprivilegien in Frage und griff herrschende Rollenvorstellungen an: Frauen sollten so dichten, Krieg führen oder Politik treiben können wie Männer.

 

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Sibylla Schwarz; Dr. Michael Gratz (Hg.)

Werke Briefe Dokumente

Kritische Ausgabe, Band 1

Briefe, Sonette, Lyrische Stücke, Kirchenlieder, Ode, Epigramme und Kurzgedichte, Fretowdichtung

172 Seiten

20,00€ (DE), 20,60€ (AT), 20,00 CHF

ISBN 978-3-942901-42-0

 

 

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Inhalt:

 

2021 jährt sich zum 400sten Mal der Geburtstag der barocken Dichterin Sibylla Schwarz. Zu diesem Anlass erscheint im Verlag Reinecke & Voß die erste Gesamtausgabe der Dichterin seit mehr als 350 Jahren, herausgegeben von Dr. Michael Gratz. 

Ihr Werk bedient sich der damals neuesten Dichtweisen, wie sie nach dem Vorbild Hollands in Deutschland Verbreitung fanden und behandelt auch heute wieder viel diskutierte Fragen: Die frühreife wirklichkeitswache Dichterin erlebte und beschrieb Krieg und Flucht („z.B. im „Trawer=Spiel / Wegen einäscherung jhres Freudenorts Fretow“)  klagte mutiger als ihre Zeitgenossinnen Gleichstellung der Geschlechter ein, etwa wenn sie im „Gesang wider den Neid“ feststellt: „Vermeynstu / daß nicht recht getroffen / Daß auch dem weiblichen Geschlecht/ Der Pindus allzeit frey steht offen / So bleibt es dennoch gleichwohl recht“ Sie hinterfragte Adelsprivilegien in Texten mit Titeln wie „An Den unadelichen Adel“ „Poëten gehn dem unadelichen Adel weit vohr.“ thematisierte Gendervorurteile „Daß jhr den Frawen auch jhr Ehre mögt beweisen / Und zulast jhren Ruhm ; Jhr Sinn und jhr Verstandt / Jst zwar nicht minder klug / doch minder nuhr bekandt.“ (in „Lob der Verständigen und Tugendsamen Frauen“) und innnerhalb der feministischen Literaturwissenschaft wird ihr dichterisches Werk auch als ein frühes Beispiel für eine homosexuelle Identitätskonstruktion Undercover gelesen. 

Eisen, die so heiß waren, dass zu ihren Lebzeiten eine anonyme Veröffentlichung unter ihrem „nome de guerre“  „Wachsesternin von Wildesfragen“  (Anagramm auf „Schwartzin von Greifswalden“) erwogen wurde. Die Autorin war mit so einem Werk naturgemäß nie ganz unumstritten. Aber bereits 1682 hielt der Gelehrte Daniel Georg Morhof fest: "Dieses nimt mich aber Wunder/ daß man sie nicht in grösser Hochachtung gehalten/ sondern noch dazu dieser grossen Gaben halber verleumbdet/ worüber sie hin und wieder klaget/ welches ein unfehlbahres Kennzeichen der ungeschliffensten Grobheit ist. Die alten Griechen und Römer/ ja auch noch heute die Außländer hätten vielmehr unter solchen Exempeln die Ehre ihrer Nation gesucht".

Einstmals dennoch als „pommersche Sappho“, „Wunder ihrer Zeit“ oder „die zehnte Muse“ gepriesen, passte das gelehrte Mädchen, das ihr Werk an internationalen Vorbildern schulte und streitbar ihre Meinung vertrat nicht zu den Vorurteilen des Biedermeier und der nationalen Romantik und so wurde sie im 19. Jahrhundert nach und nach aus dem Kanon verdrängt. 

Heute jedoch beschäftigt sich nicht nur die Fachgermanistik mit ihrem Werk sondern auch GegenwartsdichterInnen werden zunehmend auf sie aufmerksam, wovon der Band „Und bey den liechten Sternen stehen“ mit zeitgenössischen Antworten auf die Dichterin Zeugnis ablegt.

Die entstehende Gesamtausgabe in zwei Bänden bietet dem Wissenschaftler erstmals einen textkritisch gesicherten Text und einen umfangreichen Anmerkungs- und Registerteil, der den Stand der Forschung zu Leben und Werk sichtet und aufbereitet, die Edition achtet aber durch Übersichtlichkeit  und ein klar strukturiertes Textbild zugleich auch auf die Bedürfnisse interessierter Leser. Aus dem Apparat lässt sich jedoch auch der Textbestand der Werkasugabe von 1650 lückenlos rekonstruieren.

 

Nach einem Vorlauf von vielen Jahren erschien im Frühjahr Band eins, Band zwei befindet sich in Vorbereitung.

 

 

(c) Michael Gratz
(c) Michael Gratz

Die Autorin:

 

Sibylla Schwarz wuchs als jüngste Tochter des Greifswalder Bürgermeister Christian Schwarz auf. Ihre Lebensumstände waren zunächst weitgehend unbeschwert, bis 1627 die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges Greifswald erreichten und 1630 plötzlich ihre Mutter verstarb. Früh ging das ungewöhnlich gebildete Mädchen ihrem Vater beim Verfassen seiner Geschäftskorrespondenz zur Hand und im Alter von etwa zehn Jahren begann sie, Gedichte zu schreiben. Ihre Poesie reflektiert die harte Zeit inmitten des Dreißigjährigen Krieges, von dem sie weder den Anfang noch das Ende erlebte. Greifswald war damals zuerst durch Wallenstein, später durch die Schweden besetzt. Wichtige Themen ihres Werkes bildeten Freundschaft, Liebe, Krieg und Tod. 1638 erkrankte sie plötzlich an der Ruhr und starb im Alter von 17 Jahren am Hochzeitstag ihrer älteren Schwester. 

 

 

Leseprobe:

 


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