Franz Hessel bei Brinkmann & Bose, Das Arsenal und P. Kirchheim

 

Hessel bei Brinkmann & Bose

 

Der Franz Hessel-Rundgang führt als nächstes zu Brinkmann & Bose in Berlin. Dort erschien der Band Ermunterung zum Genuß.

 

Verleger Erich Brinkmann schreibt zum Buch (und zitiert einen berühmten Gewährsmann):

""Eine literarische Mahlzeit nahrhaft wie Märchen", nannte Walter Benjamin Hessels Prosa. Ermunterung zum Genuß steht programmatisch über dieser Sammlung. Geschichten, die beides vereinigen, die Kunst des Erzählens und die Lebenskunst, einfache Geschichten, Kindheitserinnerungen, Städtebilder, Liebesgeschichten. Hessel verstand es, jedem Ding seine Aura zu schenken. Er war in Paris wie in Berlin zu Hause und vermochte wie nur wenige andere diesen Städten eine Sprache zu verleihen. Franz Hessel (1880-1941) war für Benjamin die "Wiederkehr des Flaneurs"; in Truffauts Film "Jules und Jim" ist er unsterblich dargestellt in der Rolle des Jules. In diesem Band enthalten der schönste Text über Marlene Dietrich."

 

NB: Der Verlag Brinkmann & Bose wurde 1980 in Berlin von Günter Bose und Erich Brinkmann gegründet. Bis 1995 wurden die Bücher in der eigenen Buchbinderei gebunden. 1995 verlässt Bose den Verlag (um in Leipzig eine Professur für Typografie anzunehmen, die er nach wie vor innehat) und Brinkmann wird alleiniger Inhaber. Die typografische Gestaltung und Herstellung aller Verlagsbücher ist von B. & B., seit 1995 von Erich Brinkmann. Mehrfache Prämierungen beim Wettbewerb "Die schönsten deutschen Bücher". 2003 Preis der Kurt Wolff Stiftung. Zur Verlagsgeschichte siehe auch den Link der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig: "30 Jahre Verlag Brinkmann & Bose"

 

  • Ermunterung zum Genuß. Kleine Prosa. Herausgegeben von Karin Grund und Bernd Witte. Mit einem Nachwort von Bernd Witte. 280 Seiten, Englische Broschur. Brinkmann & Bose, Berlin 2006. 22,00 Euro

 

Hessel bei Das Arsenal

 

Mehrere Bücher von Franz Hessel sind bei Das Arsenal erschienen, ein Verlag, der noch etwas älter ist als Brinkmann & Bose (gegründet 1977). Verleger Peter Moses-Krause hat dem Verlag leider keine Website eingerichtet, und da ich selber die Bücher nicht vorliegen habe, im folgenden nur die nackten bibliographischen Hinweise*.

 

  • Ein Flaneur in Berlin. 284 Seiten, Englische Broschur. Mit Photographien von Friedrich Seidenstücker und Beiträgen von Walter Benjamin. 1984. 15,24 Euro

 

Anlässlich des 70. Todestages des Autors (2011) neu aufgelegt unter demselben Titel:

 

  • Ein Flaneur in Berlin. Bilderbuch in Worten. Mit Photographien von Friedrich Seidenstücker. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Peter Moses-Krause. 280 Seiten. 19,00 Euro
  • Teigwaren leicht gefärbt. Einleitung von Walter Benjamin. Zeichnungen von Rudolf Schlichter und B. F. Dolbin. 114 Seiten, Englische Broschur. 1986. 9,20 Euro
  • Ermunterungen zum Genuß. Illustriert von B. F. Dolbin. 114 Seiten, Englische Broschur. 1987. 8,59 Euro
  • Nachfeier. 128 Seiten, Englische Broschur. 1988. 10,12 Euro
  • Letzte Heimkehr nach Paris. Franz Hessel und die Seinen im Exil. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Manfred Flügge. 178 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Englische Broschur. 1989. 13,70 Euro 
  • Marlene Dietrich. Ein Porträt. Mit einem Nachwort von Manfred Flügge. 48 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. 1992. 8,59 Euro

 

*Angaben nach dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher. 

 

 

Hessel bei P. Kirchheim

 

"Laura Wunderl ist Hessels erste Prosaarbeit. Die Münchner Novellen wurden erstmals 1908 im S.Fischer Verlag veröffentlicht. In den vier, in unterschiedlicher Länge gehaltenen Erzählungen spannt sich der Bogen zwischen Leben, Liebe und Tod im München der Künstler und Studenten. Jede der Geschichten hat eine Frau zur Hauptfigur, die, sich nicht zurechtfindend in ihrer Rolle und der Großstadt, meist tragisch enden muß.

 

Das junge Mädchen Laura Wunderl aus ärmsten Verhältnissen wird in seiner zauberhaften, leichtfertigen Liebessucht zur Prostituierten, kommt ins Gefängnis und stirbt im Krankenhaus.

 

Das "Fest der Maria" zeigt die Schauspielerin Maria Amberg als entwurzelte Existenz zwischen Stadt und Land, die im Selbstmord endet.

 

Das "Peterchen" der dritten Novelle ist die Malerin Else Petersen von der Ostsee. Sie hat ein Verhältnis mit einem Malerkollegen, erleidet eine Fehlgeburt und bleibt im Mittelmaß stecken.

 

In "Die Radlampe" beichtet eine junge Frau ihrem Freund einen nächtlichen sexuellen Fehltritt."

 

(Text: P. Kirchheim Verlag)

 

  • Laura Wunderl. Münchner Novellen. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Dirk Heißerer. 128 Seiten, gebunden. P. Kirchheim Verlag, München 1998. 18,50 Euro

 

Hessel im Verlag für Berlin-Brandenburg

 

Abschließend der Hinweis auf den Band Spazieren in Berlin (entspricht dem Titel Ein Flaneur in Berlin), der im Verlag für Berlin-Brandenburg erschienen, allerdings zur Zeit nicht lieferbar ist (Neuauflage angekündigt).

 

""Langsam durch belebte Straßen zu gehen, ist ein besonderes
Vergnügen. Man wird überspült von der Eile der andern, es ist ein Bad in der Brandung." So beginnt Franz Hessel sein "Lehrbuch der Kunst, in Berlin spazieren zu gehen", wie es 1929 auf dem Schutzumschlag der Erstausgabe von Spazieren in Berlin heißt.
 
Als aufmerksamer Beobachter schlendert Hessel durch das lärmende Berlin der 1920er Jahre, läuft über Plätze, durch Straßen, Fabriken und Parks, besucht den Osten mit seinen Hinterhöfen und Markthallen, den Westen mit seinen Nachtcafés und Amüsiertempeln, macht sich mit Spürsinn in die stilleren Winkel auf und entdeckt auch abseits Gelegenes. Im Flanieren streut er passend zu den Gegenständen seiner Betrachtung Interessantes aus der Geschichte Berlins ein und umgibt so die Berliner Stadtlandschaft mit einem
einzigartigen Zauber.
 
Eingeleitet durch sehr persönliche Worte des Sohnes Stéphane
Hessel, Résistance-Mitglied und später langjähriger französischer Diplomat, und durch ein editorisches Vorwort des Herausgebers Moritz Reininghaus, folgt der Text von Spazieren in Berlin der Originalausgabe von 1929.

Der Germanist Prof. Dr. Bernd Witte, Herausgeber der Hessel-Gesamtausgabe, setzt in seinem Nachwort das Buch in Beziehung zu Hessels Gesamtwerk und benennt den Stellenwert von Spazieren in Berlin als eines der wichtigsten Werke der modernen Metropolenliteratur."

(Text: Verlag für Berlin-Brandenburg)

 

  • Spazieren in Berlin. Neu herausgegeben von Moritz Reininghaus. Mit einem Geleitwort von Stéphane Hessel und einem Nachwort von Bernd Witte. 240 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin-Pankow 2011. 19,90 Euro (2. Auflage in Vorbereitung)

 

Nachklapp

 

In Ergänzung zum vorgenannten Buch lädt auch dieses der edition.fotoTAPETA zur Lektüre und Betrachtung ein. Über den Verlag, der auch Bücher in polnischer Sprache veröffentlicht, an dieser Stelle ein anderes Mal mehr.

 

"Ein Buch über Berlin, als gäbe es nicht genug … Und dazu noch Spaziergänge, als gäbe es nicht Franz Hessel, den Flaneur in Berlin. Aber Dieter Hoffmann-Axthelm ist kein Flaneur – er ist Stadtplaner und Architektur-Kritiker, und mit diesem Rüstzeug schärft er auf seinen Rundgängen durch die Stadt den Blick des Lesers auf dieses neue Berlin, in dem sich auf überraschend kräftige Weise das alte Berlin wieder durchsetzt, wenn es auch nur die kleinste Chance hat.

 

Bei Hoffmann-Axthelm klingt das zum Beispiel so:


"Mit der Wiederherstellung der Details, der Reparatur und Ersetzung der zerschossenen Steine und eingeschmolzenen Geländer brach die darin angelegte großstädtische Dimension der Sache wieder durch, größer und weltläufiger, als sich die Bewohner der beiden Teilstädte bis dahin ihre Stadt überhaupt hatten vorstellen können. Die alte Stadt reckte sich unter ihren Zerstörungen und kam als neue wieder hervor."

 

(Text: edition.fotoTAPETA) 

 

  • Dieter Hoffmann-Axthelm, Osten Westen Mitte. Spaziergänge eines Stadtplaners durch das neuere Berlin. 10 s/w-Fotos von Marek Poźniak. 160 Seiten, Klappenbroschur. edition.fotoTAPETA, Berlin 2012. 12,80 Euro

 

 

(mr)

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